KI-Transparenz neu gedacht: Warum „mit KI erstellt“ nicht mehr ausreicht
Die Kennzeichnung „mit KI erstellt“ ist inzwischen weit verbreitet. Sie soll Transparenz schaffen und Vertrauen sichern. In der Praxis bleibt sie jedoch oft zu unscharf, um tatsächlich Orientierung zu bieten. Zwischen vollständiger Eigenleistung und vollständig automatisierter Erstellung liegen zahlreiche Zwischenstufen, die durch diese einfache Kennzeichnung unsichtbar bleiben.
Ein genauerer Blick auf den Entstehungsprozess von Inhalten zeigt, dass die entscheidende Frage nicht lautet, ob KI verwendet wurde, sondern in welcher Form und mit welchem Einfluss sie eingesetzt wurde.
Vom Werkzeug zur Mitgestaltung: Die Rolle von KI im Schreibprozess
In vielen Diskussionen wird KI-Nutzung implizit als Abkürzung verstanden. Die Vorstellung: Ein Text entsteht durch Eingabe eines Prompts und anschließendes Kopieren des Ergebnisses. Dieses Bild wird der tatsächlichen Praxis jedoch selten gerecht.
Tatsächlich kann KI sehr unterschiedliche Rollen einnehmen. Sie kann Texte korrigieren, Informationen zusammenstellen, Vorschläge machen oder ganze Entwürfe formulieren. Gleichzeitig bleibt der Mensch häufig verantwortlich für Zielsetzung, Struktur, Bewertung und finale Ausarbeitung.
Diese Unterschiede sind entscheidend, weil sie den Charakter der Zusammenarbeit zwischen Mensch und System bestimmen. Ein korrigierter Text ist etwas anderes als ein vollständig generierter Inhalt – auch wenn beide unter derselben Kennzeichnung „mit KI erstellt“ laufen.
Ein Modell für mehr Differenzierung
Um diese Unterschiede sichtbar zu machen, hilft ein strukturierter Ansatz. Ein mögliches Modell unterscheidet sieben Kategorien, die sich entlang von drei Dimensionen bewegen: Idee, Struktur und Formulierung sowie der Grad menschlicher Kontrolle.
Die Bandbreite reicht von vollständig eigenständig erstellten Inhalten bis hin zu autonom generierten Ergebnissen ohne laufende Überwachung. Dazwischen liegen Abstufungen, in denen KI unterstützend, zuarbeitend oder gestaltend tätig ist.
Der Wert dieses Modells liegt nicht in seiner Perfektion, sondern in seiner Differenzierung. Es schafft eine gemeinsame Sprache, um Prozesse genauer zu beschreiben, statt sie pauschal zu bewerten.
Qualität ist kein Nebenprodukt des Prozesses
Ein häufiger Trugschluss besteht darin, den Einsatz von KI direkt mit der Qualität eines Ergebnisses zu verknüpfen. Ein hoher KI-Anteil wird dabei oft mit geringerer Qualität gleichgesetzt, während menschliche Erstellung als implizites Qualitätsmerkmal gilt.
Diese Annahme hält einer genaueren Betrachtung nicht stand.
Die Qualität eines Textes hängt von anderen Faktoren ab: der Auswahl und Bewertung von Quellen, der logischen Konsistenz, der Nachvollziehbarkeit von Argumenten und der Sorgfalt bei der Überprüfung von Aussagen. Ein Text kann vollständig eigenständig erstellt und dennoch fehlerhaft sein – ebenso wie ein KI-gestützter Text fundiert und präzise sein kann.
Auch die Aussage „ich habe es geprüft“ ist nur bedingt aussagekräftig. Prüfung bedeutet mehr als ein kurzes Gegenlesen. Sie umfasst den Abgleich mit verlässlichen Quellen, das Hinterfragen von Schlussfolgerungen und das Erkennen von Unschärfen.