Von Notizen zu Narrativen: Was Googles NotebookLM über die Zukunft der Wissensvermittlung verrät
Google hat seinem KI-gestützten Werkzeug NotebookLM eine neue Funktion hinzugefügt, die aktuell viel Aufmerksamkeit auf sich zieht – vor allem bei allen, die regelmäßig komplexe Inhalte strukturieren, erklären oder präsentieren müssen. Mit der Einführung von automatisch generierten Videoübersichten wird aus einer Textnotiz nun ein visuell aufbereitetes, vertontes Format. Die Anwendung greift dabei auf hochgeladene Dokumente zu, kombiniert Zitate, Daten, Bilder und Aussagen, verdichtet diese Inhalte und verwandelt sie in eine dynamische Präsentation. Die neue Funktion ist derzeit zwar nur auf Englisch verfügbar, lässt sich aber auch in Deutschland nutzen – sofern das Ausgangsmaterial auf Englisch vorliegt.
Struktur trifft Storytelling: Wie KI Wissen neu organisiert
Die zentrale Stärke der neuen Funktion liegt in ihrer Fähigkeit, unstrukturierte Inhalte in erzählerische Sequenzen zu transformieren. Statt reinem Text oder statischen Slides entsteht ein Video, das zentrale Erkenntnisse und Kernaussagen pointiert zusammenfasst – inklusive automatischer Sprecherstimme und visueller Aufbereitung. Das neue Studio-Panel in NotebookLM erlaubt dabei nicht nur die Erstellung solcher Videos, sondern auch den parallelen Zugriff auf Mindmaps, zusammenfassende Reports und Notizverknüpfungen. Damit wird das Tool zu einer Art Content-Hub, der Informationen nicht nur speichert, sondern kontextualisiert und in verschiedenen Formaten wieder nutzbar macht.
Gerade im Kontext von Teamarbeit und Wissensweitergabe in Organisationen ergeben sich hier interessante Anwendungsfelder. Dokumente, die sonst nur von Einzelpersonen gelesen werden, können in kurzer Zeit für größere Zielgruppen aufbereitet werden – sei es zur Projektvorstellung, für Schulungen oder im Onboarding-Prozess. Die Kombination aus Visualisierung und auditiver Begleitung kann dabei helfen, Inhalte schneller zu erfassen und nachhaltig zu verankern.
Potenziale und Grenzen: Was noch fehlt, damit aus Präsentationen echtes Wissen wird
Trotz aller Begeisterung über die technischen Möglichkeiten bleiben einige Fragen offen. So ist die Interaktivität der Videos bislang noch begrenzt. Weder lassen sich Kapitelmarken setzen noch spezifische Sprungziele innerhalb der Präsentation definieren. Auch der direkte Zugriff auf die zugrunde liegenden Quellen ist derzeit nicht vorgesehen – was vor allem für den professionellen Einsatz in Unternehmen ein klarer Nachteil ist. Für eine belastbare Wissensweitergabe braucht es jedoch nachvollziehbare Quellenangaben, überprüfbare Inhalte und idealerweise eine Form von Metadokumentation.
Hinzu kommt, dass Unternehmen bei der Nutzung solcher Tools klare Governance-Strukturen benötigen. Wer darf Inhalte erstellen? Welche Vorlagen sind zulässig? Wie wird sichergestellt, dass das Video den visuellen und inhaltlichen Standards der Organisation entspricht? Ohne ein definiertes Freigabeverfahren und CI-konforme Gestaltung droht das Risiko, dass aus gut gemeinten Erklärvideos eine Vielzahl uneinheitlicher, schwer überprüfbarer Inhalte entsteht.
Fazit: Ein vielversprechender Schritt – mit Luft nach oben
NotebookLM zeigt mit seiner neuen Video-Funktion eindrucksvoll, wohin sich KI-gestützte Wissensvermittlung entwickeln kann. Die Fähigkeit, aus Texten automatisch sprechende, visuelle Inhalte zu generieren, ist ein bedeutender Fortschritt – vor allem für Lernformate, interne Schulungen und das schnelle Teilen von Erkenntnissen in Teams. Doch damit das Tool im Unternehmenskontext tatsächlich tragfähig wird, braucht es zusätzliche Features: mehr Interaktivität, transparente Quellenverweise und strukturelle Einbindung in bestehende Kommunikationsprozesse. Erst wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, wird aus automatisiertem Output ein echter Beitrag zur Wissensorganisation – und aus nettem Nebeneffekt ein strategischer Vorteil.