Standortplanung in Sekunden: Wie TestFit frühe Machbarkeitsstudien in der Immobilienentwicklung verändert

Von der Grundstücksprüfung zum vergleichbaren Szenario

Am Anfang vieler Immobilienprojekte steht eine vergleichsweise einfache Frage: Was lässt sich auf einem bestimmten Grundstück überhaupt sinnvoll realisieren? Die Antwort darauf ist jedoch selten einfach. Grundstücksgeometrie, Abstandsflächen, zulässige Dichte, Gebäudetypen, Stellplätze, Erschließung und wirtschaftliche Zielgrößen beeinflussen sich gegenseitig. Schon kleine Änderungen an einzelnen Parametern können dazu führen, dass ein zunächst plausibles Konzept deutlich an Attraktivität verliert oder eine zuvor übersehene Variante plötzlich interessant wird.

Traditionell bedeutet diese frühe Phase deshalb einen erheblichen Planungsaufwand. Mehrere Varianten müssen gezeichnet, Flächen ermittelt, Stellplätze geprüft und wirtschaftliche Annahmen miteinander abgeglichen werden. Gerade wenn noch nicht feststeht, ob ein Grundstück überhaupt weiterverfolgt werden soll, entsteht dabei ein ungünstiges Verhältnis zwischen notwendiger Detailarbeit und der Unsicherheit des Projekts.

Genau an diesem Punkt setzt TestFit an. Die Software ist auf frühe Machbarkeitsstudien und Standortplanung ausgerichtet und ermöglicht es, auf Basis eines Grundstücks unterschiedliche Bebauungsszenarien zu erzeugen und miteinander zu vergleichen. Nutzer definieren wesentliche Rahmenbedingungen wie Gebäudetyp, Dichte, Abstände, Nutzung oder Stellplatzquote. Anschließend entstehen Varianten, anhand derer sich früh untersuchen lässt, welche Konfigurationen unter den hinterlegten Vorgaben grundsätzlich funktionieren.

Der entscheidende Unterschied liegt dabei weniger darin, dass die Software „plant“, sondern darin, dass sie einen großen Teil der wiederkehrenden Variantenbildung automatisiert. Dadurch verschiebt sich der Aufwand von der manuellen Erstellung einzelner Optionen hin zur Definition, Prüfung und Bewertung von Parametern.

Wie parametrische Standortplanung funktioniert

Das Grundprinzip hinter TestFit ist die parametrische Planung. Anstatt ein Gebäude oder einen Lageplan ausschließlich geometrisch zu zeichnen, werden bestimmte Eigenschaften als veränderbare Parameter hinterlegt. Dazu können beispielsweise Grundstücksgrenzen, Abstandsflächen, Gebäudehöhen, Wohneinheiten, Stellplatzanforderungen, Nutzungsmischungen oder Dichtekennzahlen gehören.

Ändert sich eine dieser Vorgaben, kann das Modell entsprechend angepasst beziehungsweise neu berechnet werden. Dadurch lassen sich verschiedene Kombinationen deutlich schneller untersuchen als bei einer vollständig manuellen Bearbeitung.

TestFit beschreibt diesen Ansatz inzwischen selbst als „Site Planning AI“. Nutzer geben unter anderem gewünschte Einheitenzahlen, Nutzungsmischungen, Dichten, Abstände und Stellplatzparameter vor. Auf dieser Grundlage können unterschiedliche Lösungen erzeugt und anschließend weiter verändert werden. Zusätzlich können Varianten in einem 2D- beziehungsweise 3D-Kontext betrachtet werden.

Für die Machbarkeitsphase ist das besonders interessant, weil viele Fragestellungen nicht nach einer einzigen perfekten Lösung verlangen. Häufig geht es zunächst darum, einen Lösungsraum zu verstehen. Was passiert beispielsweise, wenn die Stellplatzquote sinkt? Wie verändert sich die mögliche Bebauung bei einer anderen Dichte? Welche Auswirkungen hat eine größere Abstandsfläche? Wie unterscheiden sich zwei Gebäudetypologien hinsichtlich Flächenausnutzung und Wirtschaftlichkeit?

Die Software macht solche Zusammenhänge unmittelbar vergleichbarer. Damit wird aus einer Reihe voneinander getrennter Entwürfe ein System von Szenarien, deren Unterschiede auf konkrete Parameter zurückgeführt werden können.

Geometrie und Wirtschaftlichkeit näher zusammenbringen

Für Immobilienentwickler reicht es nicht aus zu wissen, ob eine bestimmte Gebäudegeometrie technisch auf ein Grundstück passt. Ebenso wichtig ist die Frage, ob das daraus entstehende Projekt unter den angenommenen Rahmenbedingungen wirtschaftlich plausibel ist.

Hier liegt eine weitere Stärke solcher Systeme. TestFit verbindet die geometrische Planung mit Flächen-, Mengen- und Pro-forma-Daten. Nach Angaben des Anbieters können beispielsweise Grundstückskosten, Hard Costs, Soft Costs und erwartete Erlöse in die Bewertung einbezogen werden. Varianten können anschließend anhand von Kennzahlen wie Dichte, Stellplatzquote oder Yield on Cost verglichen werden. Automatische Mengenermittlungen sollen zusätzlich Informationen zu Flächen, Einheiten, Parkplätzen oder Infrastruktur bereitstellen.

Damit verändert sich auch die Reihenfolge klassischer Machbarkeitsüberlegungen. Wirtschaftlichkeit muss nicht erst nach der Erstellung eines Entwurfs separat untersucht werden. Stattdessen können geometrische und finanzielle Annahmen früher miteinander abgeglichen werden.

Das bedeutet nicht, dass eine solche Berechnung bereits eine belastbare Projektkalkulation ersetzt. Gerade in einer frühen Phase beruhen viele Werte zwangsläufig auf Annahmen. Baukosten, Finanzierung, Genehmigungsrisiken, Marktpreise und Projektlaufzeiten können sich erheblich verändern. Der Nutzen liegt deshalb weniger in einer vermeintlich exakten Vorhersage als in der schnellen Vergleichbarkeit verschiedener Szenarien unter denselben Annahmen.

Wenn zwei Varianten mit identischen Kosten- und Marktdaten betrachtet werden, lässt sich beispielsweise erkennen, welche stärker auf eine bestimmte Stellplatzanforderung reagiert oder welche Gebäudestruktur eine höhere Flächeneffizienz ermöglicht. Die Software wird damit zu einem Werkzeug für relative Vergleiche, bevor hohe Planungs- und Prüfungskosten entstehen.

Mehr Varianten verändern auch den Entscheidungsprozess

Ein weiterer Effekt automatisierter Standortplanung liegt in der Anzahl der Varianten, die innerhalb einer frühen Untersuchung betrachtet werden können. Bei manueller Planung kostet jede zusätzliche Alternative Zeit. Deshalb wird in der Praxis zwangsläufig gefiltert: Einige wenige Ansätze werden ausgearbeitet, während andere Möglichkeiten gar nicht erst modelliert werden.

Wenn Varianten deutlich schneller erzeugt werden können, verändert sich diese Einschränkung. Teams können einen größeren Lösungsraum untersuchen und Parameter systematischer variieren. TestFit ermöglicht beispielsweise die Anpassung von Dichte, Nutzung, Einheitenmix, Stellplatztypen und weiteren Standortbedingungen und stellt unterschiedliche Szenarien vergleichbar dar.

Das kann insbesondere bei der Prüfung mehrerer Grundstücke relevant werden. Ein Entwickler, der nicht nur einen Standort, sondern ein größeres Portfolio potenzieller Grundstücke bewerten muss, steht vor einem Skalierungsproblem. Eine detaillierte manuelle Vorprüfung jedes Standorts wäre teuer und langsam. Werden dagegen identische oder vergleichbare Bewertungskriterien auf mehrere Standorte angewendet, lassen sich ungeeignete Optionen früher erkennen und vielversprechende Grundstücke gezielter vertiefen.

Der wirtschaftliche Nutzen liegt damit nicht ausschließlich darin, einen einzelnen Plan schneller zu erstellen. Mindestens ebenso wichtig ist die Möglichkeit, begrenzte Planungsressourcen auf diejenigen Projekte zu konzentrieren, bei denen eine vertiefte Untersuchung tatsächlich sinnvoll erscheint.

Ein gemeinsames Modell als Grundlage für Diskussionen

Frühe Immobilienentwicklung ist selten die Aufgabe einer einzelnen Disziplin. Entwickler, Architekten, Stadtplaner, Ingenieure, Kostenplaner und weitere Beteiligte betrachten dasselbe Grundstück aus unterschiedlichen Perspektiven. Dadurch entstehen häufig getrennte Modelle, Tabellen und Annahmen, die erst später miteinander abgeglichen werden.

Ein parametrisches Modell kann einen Teil dieser Trennung reduzieren. Wenn geometrische Veränderungen unmittelbar Auswirkungen auf Flächen, Stellplätze oder wirtschaftliche Kennzahlen zeigen, lassen sich Zielkonflikte konkreter diskutieren.

Die Diskussion verändert sich beispielsweise von „Wir benötigen mehr Dichte“ zu der Frage, welche konkreten Folgen zusätzliche Dichte für Gebäudestruktur, Stellplätze, Freiflächen und Wirtschaftlichkeit hat. Ebenso kann geprüft werden, welche Auswirkungen eine Veränderung von Abständen oder Nutzungsmischungen auf das Gesamtmodell hat.

Das ist besonders für frühe Abstimmungen wertvoll. Anstatt mehrere statische Varianten nacheinander zu präsentieren, können Szenarien anhand derselben Ausgangsdaten miteinander verglichen werden. TestFit sieht dafür auch das Teilen von Projekten beziehungsweise Deals innerhalb und außerhalb von Teams vor.

Die Qualität der Entscheidung hängt damit jedoch weiterhin davon ab, welche Fragen die Beteiligten stellen. Ein detailliertes Modell macht eine Diskussion transparenter, entscheidet aber nicht automatisch, welche Ziele für ein Grundstück priorisiert werden sollten.

Die entscheidende Grenze: Optimiert wird, was messbar ist

Gerade diese Unterscheidung ist für die Bewertung von TestFit wesentlich. Parametrische Systeme sind besonders leistungsfähig, wenn Ziele eindeutig beschrieben werden können. Maximale oder minimale Dichte, Anzahl der Einheiten, Stellplatzquote, Gebäudehöhe, Flächeneffizienz oder bestimmte Wirtschaftlichkeitskennzahlen lassen sich als Größen definieren und vergleichen.

Schwieriger wird es bei Qualitäten, die sich nicht vollständig in Kennzahlen übersetzen lassen.

Ein Grundstück kann rechnerisch effizient genutzt sein und trotzdem einen schwachen Beitrag zu seinem Umfeld leisten. Eine Variante kann eine hohe Anzahl an Einheiten ermöglichen, aber wenig attraktive Außenräume erzeugen. Eine Gebäudestruktur kann wirtschaftlich vorteilhaft erscheinen und gleichzeitig schlecht auf lokale Wegebeziehungen, bestehende Nachbarschaften oder zukünftige Veränderungen reagieren.

Aufenthaltsqualität, Maßstäblichkeit, Identität eines Ortes, soziale Wirkung, Nutzungsflexibilität und langfristige Anpassungsfähigkeit können zwar teilweise über messbare Kriterien angenähert werden, sind jedoch nicht vollständig auf diese reduzierbar.

Das Problem liegt dabei nicht speziell bei TestFit. Es ist eine grundsätzliche Eigenschaft jeder Optimierung: Ein System kann nur auf Grundlage der Ziele, Regeln und Daten optimieren, die ihm zur Verfügung stehen.

Werden hauptsächlich Flächenausnutzung, Stellplätze und wirtschaftliche Kennzahlen berücksichtigt, wird das System entsprechend Lösungen hervorheben, die in diesen Dimensionen gut abschneiden. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass es sich aus städtebaulicher, sozialer oder langfristiger Perspektive um die beste Lösung handelt.

Die Software beantwortet „Was passt?“ besser als „Was sollte entstehen?“

Damit lässt sich die Rolle solcher Werkzeuge relativ klar beschreiben. TestFit kann dabei helfen, die Frage zu beantworten, was unter bestimmten Rahmenbedingungen auf einem Grundstück möglich erscheint. Die normative Frage, was an diesem Ort entstehen sollte, bleibt dagegen eine planerische und gesellschaftliche Entscheidung.

Dieser Unterschied ist wichtig, weil Geschwindigkeit leicht mit Qualität verwechselt werden kann. Wenn innerhalb kurzer Zeit Dutzende Varianten entstehen, bedeutet das zunächst nur, dass mehr Optionen verfügbar sind. Welche davon weiterverfolgt wird, hängt weiterhin von der Bewertung durch Menschen ab.

Gerade hier könnte die eigentliche Stärke des Werkzeugs liegen. Automatisierung muss professionelle Urteilsfähigkeit nicht ersetzen, um wertvoll zu sein. Wenn repetitive Modellierungsarbeit reduziert wird, kann mehr Zeit für die Interpretation der Ergebnisse, für Gespräche mit Beteiligten und für die Untersuchung qualitativer Aspekte zur Verfügung stehen.

Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die automatisch erzeugten Ergebnisse nicht als objektive Antworten behandelt werden. Sie sind Szenarien innerhalb eines zuvor definierten Systems von Annahmen.

Wirtschaftliche Nachhaltigkeit durch frühere Entscheidungen

Aus der Perspektive wirtschaftlicher Nachhaltigkeit ist dieser Punkt besonders relevant. Fehlentscheidungen in der Immobilienentwicklung werden häufig umso teurer, je später sie erkannt werden. Ein Grundstück, dessen wirtschaftliche oder planerische Einschränkungen bereits vor dem Ankauf sichtbar werden, verursacht deutlich weniger Folgekosten als ein Problem, das erst nach umfangreicher Planung auftritt.

Schnellere Machbarkeitsstudien können deshalb dazu beitragen, Investitionsentscheidungen früher zu hinterfragen. Projekte, die nur unter unrealistischen Dichteannahmen oder problematischen Stellplatzkonzepten funktionieren, können früher aussortiert werden. Gleichzeitig lassen sich robustere Szenarien gezielter weiterentwickeln.

Der Nutzen liegt damit weniger darin, automatisch die maximale Bebauung aus jedem Grundstück herauszuholen. Interessanter ist die Möglichkeit, schneller zu verstehen, unter welchen Bedingungen ein Projekt überhaupt tragfähig ist und wie empfindlich es auf Veränderungen einzelner Annahmen reagiert.

Gerade diese Sensitivität ist in frühen Entwicklungsphasen entscheidend. Ein Konzept, das nur bei einer sehr spezifischen Kombination aus Kosten, Dichte und Erlösen funktioniert, besitzt ein anderes Risikoprofil als eine Variante, die auch bei veränderten Rahmenbedingungen plausibel bleibt.

Fazit: Schnellere Berechnung ersetzt keine gute Planung

TestFit zeigt, wie stark sich die frühe Phase der Immobilienentwicklung durch parametrische und automatisierte Planungswerkzeuge verändern kann. Grundstücke können schneller untersucht, Varianten systematischer verglichen und geometrische Entscheidungen früher mit Mengen und wirtschaftlichen Annahmen verbunden werden.

Besonders bei einer großen Zahl potenzieller Standorte oder bei Projekten mit vielen möglichen Konfigurationen kann dies erheblichen manuellen Aufwand reduzieren. Schwache Optionen lassen sich früher erkennen, während Planer mehr Varianten untersuchen können, ohne jede davon vollständig von Hand entwickeln zu müssen.

Die entscheidende Grenze bleibt jedoch bestehen: Gute Standortplanung besteht nicht ausschließlich aus der Optimierung messbarer Größen. Ein Grundstück ist kein mathematisches Problem mit einer einzigen optimalen Lösung. Es ist Teil eines räumlichen, sozialen und wirtschaftlichen Zusammenhangs, dessen Qualität sich nur teilweise in Parametern erfassen lässt.

Der sinnvollste Einsatz von TestFit liegt deshalb nicht darin, planerische Entscheidungen an Software abzugeben. Sein Wert liegt vielmehr darin, die Informationsbasis für diese Entscheidungen früher und breiter verfügbar zu machen.

Die Software kann sehr schnell zeigen, was auf ein Grundstück passt. Die Verantwortung dafür, zu entscheiden, was dort tatsächlich entstehen sollte, bleibt bei den Menschen, die den Ort planen, entwickeln und langfristig mit seinen Folgen umgehen müssen.

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